Chirurgie am Knie und Sportorthopädie

Immer mehr Menschen in Deutschland treiben Sport: Rund 70% der gesamten Bevölkerung geben an, sportlich aktiv zu sein. Leider steigt in diesem Zusammenhang auch die Anzahl der Sportverletzungen stetig. Doch in der Sportmedizin kann man mit modernen Methoden eine schnelle Genesung erreichen. Unsere erfahrenen Fachärzte beraten Sie hierzu gerne in einem persönlichen Gespräch.

Ihr Experte vor Ort

PD Dr. med. Sascha Goebel

PD Dr. med. Sascha Goebel
Leitender Arzt Ortho WeGo Unterpleichfeld

Typische Erkrankungen und Verletzungen des Kniegelenks

Am Kniegelenk betreffen (Sport-)Verletzungen häufig Meniskus, Seitenband und Kreuzband. Die Behandlung von solchen Verletzungen erfordert nicht nur besondere Erfahrung mit den modernen Behandlungstechniken, insbesondere den arthroskopischen Gelenkoperationen; wesentlich ist auch eine kompetente Physiotherapie für die frühe funktionelle Weiterbehandlung der Patienten. All das finden Sie bei uns.

Verletzungen am Kreuzband Fachklinikum Mainschleife

Verletzungen am Kreuzband

Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine typische Sportverletzung. Verletzungen am hinteren Kreuzband sind dagegen wesentlich seltener. Das vordere und das hintere Kreuzband bilden die wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks. Eine Verletzung führt zu einer erheblichen Instabilität und Fehlbelastung des Kniegelenks. Da die Selbstheilung des Kreuzbandes nur gering ist, gehören Meniskus- und Knorpelschäden bis hin zur Arthrose häufig zu den Folgeschäden.

Semitendinosus-/ (Gracilis-)sehnenplastik

In den letzten Jahren ist man vermehrt dazu übergegangen die inneren Oberschenkelbeugesehnen als Transplantat bei Kreuzbandersatzoperationen zu verwenden. Die Semitendinosussehne kann allein oder in Kombination mit der Gracilissehne eingesetzt werden. Die postoperativen Probleme, wie sie bei der Patellarsehnenplastik auftreten, fallen weitestgehend weg. Diese Methode wird in unserer Klinik primär verwendet.

Mit einer hinteren Instabilität kommt der Patient wesentlich besser zu Recht als mit einer vorderen Instabilität. Daher wird bei älteren hinteren Kreuzbandverletzungen nicht unbedingt operiert. Nur in sehr ausgeprägten Fällen muss eine hintere Kreuzbandplastik, oft kombiniert mit einer zusätzlichen Bandersatzoperation der Seitenbänder, durchgeführt werden.

Patellarsehnenplastik

Ein Streifen aus der Patellarsehne galt früher als das Transplantat der ersten Wahl bei der Kreuzbandersatzoperation. Die Nachteile sind allerdings postoperative Probleme (Schmerzen, Taubheitsgefühl) beim Hinknien und sich auf den Knien bewegen. In unserer Klinik führen wir dieses Verfahren deshalb nur noch bei Revisionsoperationen durch.

Knorpelschäden

Knorpelschäden können manchmal durch einen Sportunfall verursacht werden. In der Mehrzahl der Fälle entstehen Knorpelschäden jedoch durch Abnutzung und Alterungsprozesse. Zur Wiederherstellung der Knorpeloberfläche stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung.

Autologe Knorpel (Chondrozyten) Transplantation

In einer ersten Operation werden zunächst Knorpelzellen von einem wenig belasteten Bereich des Gelenkknorpels entnommen. Diese werden in vitro in einer Nährlösung vermehrt. Nach ca. zwei Wochen sind genügend Knorpelzellen herangezüchtet, um diese in den Knorpelschaden einzupflanzen. Die in der Lösung vorhandenen Chondrozyten entwickeln nach einiger Zeit hyalinartigen Knorpel. Der vorhandene Schaden wird von dem neu entstandenen Knorpel komplett ausgefüllt.

Osteochondrale Transplantation

Bei der sog. Zylindertransplantation wird der defekte Knorpel durch intakten Knorpel ersetzt. Hierzu wird der Knorpeldefekt zylinderförmig ausgestanzt und durch einen zweiten Knorpel-Knochen-Zylinder mit intakter Knorpeloberfläche ersetzt. Der Ersatzknorpel wird am gleichen Gelenk von einer Stelle entnommen, die für die Funktion des Gelenks nicht wichtig ist. Der Patient spürt nicht, dass ihm an dieser Stelle ein Stück Knorpel fehlt. Die Entnahmestelle wird mit dem "defekten" Zylinder weitgehend wieder verschlossen. Die Knorpel-Knochen-Zylinder haben idealerweise einen Durchmesser von 6-12 mm und werden passgenau in den Defekt platziert. Die Patient*in erhält nach der Operation seine volle Bewegungsfreiheit zurück. Je nach Defektgröße ist eine Vollbelastung schon nach ca. 4 Wochen möglich. Vorteil des Verfahrens ist, dass es bei kleinen Defekten gelegentlich rein arthroskopisch durchgeführt werden kann. Allerdings sind der „Mosaikplastik“ Grenzen gesetzt: Durch die begrenzte Menge an verfügbarem Spenderknorpel lassen sich größere Defekte nicht mehr vollständig wiederherstellen.

Meniskusriss

Im Kniegelenk gibt es einen Meniskus auf der Innen- und der Außenseite. Sie sind halbmondförmig angelegt und dienen dem Kniegelenk als Stabilisator und Stoßdämpfer. Verletzungen des Meniskus zählen mit zu den häufigsten Kniegelenksverletzungen im Sport. Sie entstehen meist, wenn das Kniegelenk unter starker Belastung verdreht wird. Bei zunehmendem Alter treten verschleißbedingte Verletzungen hinzu. Typische Symptome sind Schmerzen, ein Gelenkschnappen und die Ausbildung eines Gelenkergusses.

Meniskusriss Fachklinikum Mainschleife

Meniskusnaht

Bei einem frischen Meniskusriss im kapselnahen gut durchbluteten Bereich kann eine Meniskusnaht durchgeführt werden. Gerade bei jungen Patient*innen sollte hierbei versucht werden, den Meniskus zu erhalten. Auf diese Weise ist es möglich die Stoßdämpferfunktion des Meniskus zu erhalten. Eine Meniskusnaht kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt, abhängig von Größe und Lokalisation des Risses. Durch unsere große Erfahrung können wir je nach Rissbildung und Indikation verschiedene Nahttechniken anwenden. Wir können den gerissenen Meniskus befestigen und optimale Heilungschancen schaffen. Diese hängen neben der Lokalisation der Verletzung insbesondere von der Größe des Risses ab. Nach dem Eingriff verschwinden die Beschwerden des Patienten innerhalb von 6-8 Wochen.

Valgisation/Varisation

Valgisationen und Varisationen sind angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Beinachse. Man unterscheidet das X-Bein (Valgusfehlstellung) und das O-Bein (Varusfehlstellung). Die häufigste Ursache von erworbenen Beinachsenfehlstellungen sind Verschleißerscheinungen im Kniegelenk mit Verlust des Meniskus und des Knorpels. Auch Meniskusteilentfernungen können zu fortschreitender Knorpelabnutzung führen. In beiden Fällen kommt es zu einer Gelenkspaltverschmälerung mit Beinachsenfehlstellung. Am Ende steht Knochen auf Knochen, ohne die Schutzschicht des Knorpels und ohne den Meniskuspuffer. Die O-Bein-Arthrose kommt häufiger vor als die X-Bein-Arthrose. Typische Symptome sind Belastungsbeschwerden und Ruheschmerzen. Durch zunehmende Beinachsenfehlstellung mit "Beinverformung" verschlimmern sich die Beschwerden im Verlauf oftmals.

 

Closed-Wedge-Osteotomie

Ein Knochenteil des kniegelenknahen Oberschenkelknochens wird von der Innenseite her keilförmig herausgesägt. Dadruch entsteht ein Spalt, der durch Veränderung der Beinachse geschlossen und mit einer (Tomofix-) Platte fixiert wird.

Open-Wedge-Osteotomie

Der Schienbeinkopf von der Innenseite wird keilförmig geöffnet. Eine Platte wird anschließend analog mit Schrauben fixiert. Je nach Ausmaß der Korrektur entsteht eventuell ein Spaltraum. Dieser muss mit Knochen, den man vom Beckenkamm gewinnen kann, ausgefüllt werden.

Patellaluxation Fachklinikum Mainschleife

Patellaluxation (Kniescheibenluxation) 

Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe (Patella) aus ihrem Gleitlager am Oberschenkelknochen. Begleitend dazu reißen häufig die Haltebänder auf der Knieinnenseite. Es kann zu Absprengungen am Knochen bzw. Knorpel der Kniescheibe und des Oberschenkelgleitlagers kommen. Patellaluxationen treten vor allem durch Verdrehen des Knies beim Sport auf. Auch genetische Veranlagungen können eine Rolle spielen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erstluxation tritt meist vor dem 20. Lebensjahr auf. Da bei jeder Luxation Knorpelschäden entstehen können, zielt jede Therapie darauf ab, die Kniescheibe wieder in ihrem Gleitlager zu zentrieren. Jede erneute Luxation erhöht das Risiko einer vorzeitigen Kniescheibenarthrose.

Arthroskopie

Bei Verdacht auf eine Knorpelabscherung (Flake fracture) ist eine Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) empfehlenswert, um das Ausmaß des Knorpelschadens zu begutachten. Dabei kann zudem eine Knorpelabsprengung refixiert oder entfernt werden (bei kleinen bzw. mehrfach in sich gebrochenen Stücken). Zu entscheiden ist, ob der operative Eingriff weichteilig oder knöchern durchgeführt wird. Im Falle der knöchernen Korrektur muss entschieden werden, ob diese am Oberschenkel oder am Unterschenkel erfolgt.

MPFL-Rekonstruktion

Dank der wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 10 Jahre wissen wir, dass in den meisten Fällen das innere Halteband (mediale patellofemorale Ligament = MPFL) zerreißt. Somit kann durch die alleinige Raffung des inneren Halteapparates die Kniescheibe nicht genügend stabilisiert werden. Daher ist heute der plastische Ersatz des MPFL mit Hilfe einer eigenen Sehne (MPFL-Rekonstruktion mittels Gracilissehne) die häufigste Operationsmethode. Dieser Eingriff kann mit Hilfe von wenigen kleinen Schnitten („Mini-Open“) erfolgen. Früher wurde häufig der Ansatz der Knieschiebensehe (Patellasehne) am Schienbeinkopf von außen nach innen versetzt. Heutzutage wird dies nur noch bei ausgeprägten Fehlstellungen des Patellarsehnenansatzes durchgeführt.

Osteotomie

Liegt die Ursache einer Kniescheibenluxation vor allem in einer deutlichen Achsenfehlstellung (X-Beinstellung bzw. vermehrte Oberschenkelinnenrotation), muss eventuell eine zusätzliche Achsenkorrektur erfolgen (Varisationsosteotomie, Derotationsosteotomie).

Trochleaplastik

Bei ausgeprägter Fehlanlage des Oberschenkelgleitlagers kann es erforderlich sein, dieses fehlgeformte Gleitlager plastisch zu korrigieren (Trochleaplastik). Dies stellt jedoch eine sehr aufwendige Korrekturoperation dar, die nur in seltenen Fällen angewandt wird.

Fachliche Zusatzinformationen

Eine umfassende Diagnostik ist entscheidend für die Wahl des geeigneten Therapieverfahrens. Hierfür stehen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Kernspintomographie und Computertomographie zur Verfügung. Besonderen Wert muss jedoch auf die klinische Untersuchung gelegt werden, die viel Erfahrung benötigt. Nur dann kann das für den Einzelfall passende operative Verfahren gewählt werden.